Bayerns schönste Kirchen

Die St. Peter und Paul-Kirche in Poppenreuth

St. Peter- und Paul-Kirche in Poppenreuth (Fürth)

Festlich herausgeputzt: Die St. Peter und Paul-Kirche in Poppenreuth ist auch eine beliebte Hochzeitslocation.

Bild: St. Peter- und Paul-Kirche Poppenreuth (Fürth)

Die Gemeinde ist stolz auf die Kirche St. Peter und Paul, die ihre Besucher sanft entführt - auf eine nostalgische Reise bis zurück in die Zeit der Romanik.

Holz ist das zentrale Bauelement im Kirchenschiff von St. Peter und Paul in Poppenreuth, einem Stadtteil von Fürth im Kirchenkreis Nürnberg. Die Kirchenbänke sind aus Holz, die Emporen sind aus Holz, die Decke ist aus Holz – die Atmosphäre, die der Innenraum verströmt, ist warm, vermittelt Geborgenheit, wirkt fast gemütlich.

Christian Schmidt-Scheer, der 60-jährige Pfarrer der Gemeinde, empfindet auch noch etwas anderes, wenn er seine Kirche betritt. „Sie strahlt eine gewisse Heiligkeit aus – im aufgeklärten Sinne: mit jedem Kind, das in der Kirche getauft wurde, mit jedem Gebet, das dort gesprochen wurde, mit jedem Toten, der schon beweint wurde, ist die Kirche mit Heiligkeit aufgeladen worden durch alle Jahre.“

"Alle Zeiten spiegeln sich in ihr wider"

Und das sind eine ganze Menge: seit mehr als 1000 Jahren ist St. Peter und Paul, die bis ins 13. Jahrhundert Mutterkirche von St. Sebald in Nürnberg war, die Sehenswürdigkeit von Poppenreuth und eine der beliebtesten Hochzeitskirchen der Region.

„Alle Zeiten spiegeln sich in ihr wider – von der Romanik bis heute“, ist Pfarrer Schmidt-Scheer stolz. Da gibt es zum Beispiel ein Kunstwerk aus der Zeit von Kaiser Friedrich Barbarossa zu bewundern: ein Ornament-Stein, den ein romanisches Kreisknotenflechtwerk von 1150 ziert und das auch in der romanischen Doppelkappelle der Nürnberger Burg zu finden ist.

Einzigartig: ein eigener Teppich mit christlichen Motiven

„Aus diesem Grund wird die Poppenreuther Kirche als Anschlussauftrag zur Kaiserburg in Nürnberg für die gleiche Steinmetzhütte angesehen“, informieren die Poppenreuther auf ihrer Gemeindewebseite.

Einzigartig ist auch ein Teppich mit christlichen Motiven. „Zum 1000-jährigen Jubiläum der Stadt Fürth haben wir diesen Teppich im Jahr 2007 von einer iranischen Werkstätte knüpfen lassen“, erzählt Pfarrer Schmidt-Scheer.

55 Meter hoch ragt der Kirchturm

Als „Brücke zwischen den Religionen“ liegt der Teppich nun im Chorraum zwischen Kirchenbänken und Altar und lädt alle Gottesdienstbesucher, ganz gleich welcher Religion mit seinem fein gearbeitetem Aussehen auf elegante Weise ein, das Christentum näher zu beschnuppern.

Bestaunenswert ist auch der 55 Meter hohe Turm, der das älteste Mauerwerk der Kirche enthält. 1456 ist er gotisch umgebaut und erhöht worden, um 1520 wurde noch einmal das heutige Glockengeschoss aufgestockt und mit einem steilen Ziegelhelm versehen.

Die größte Kostbarkeit: der spätgotische Flügelaltar

Ebenso bleibt der Blick an den kunterbunten Chorfenstern hängen, in denen ein Professor namens Friedrich Wanderer in den Jahren 1881/82 einen „Christus-Zyklus“ erstellt hat. „Leider“, so informiert die Gemeinde, „wurde die Weihnachtsszene im 2. Weltkrieg durch die Druckwellen von Bombenabwürfen zerstört. Um die Farbigkeit der Wanderer-Fenster zu erhalten, wurde anstelle der zerstörten ,Weihnachtsszene‘ ,Pfingsten‘ vom letzten südlichen Chorfenster umgesetzt. Seitdem findet die Geistausgiessung von Pfingsten unter dem Stern von Bethlehem statt.“

Die größte Kostbarkeit der Kirche ist aber der spätgotische Flügelaltar im Chor aus den Jahren um 1518. „Die ,Festtagsseite‘“, informiert die Gemeinde, „zeigt von links nach rechts St.Petrus mit Buch und Schlüssel, im Retabel die Evangelisten Markus mit Buch - Johannes mit Kelch (ursprünglich ein hl. Sebastian) - Matthäus mit Buch, rechts St. Sebald mit Muschel und Pilgerstab.

In der Passions- und Adventszeit werden die Flügel geschlossen. Dann zeigt die ,Werktagsseite‘ auf den alten Innenflügeln links St.Laurentius mit dem Rost und rechts St. Stephanus mit den Steinen (Dürerschüler Hans Springinklee). Dazu kommen auf den neuen Standflügeln links St. Martin mit dem Bettler und rechts St. Michael mit der Waage (Konrad Ehmann).“


26.08.2014 / Almut Steinecke