Kirchenmusikalische Veranstaltungen

Musik verbindet, berührt, bewegt

Frau beim Geigenspiel

Kirchenmusik, zum Beispiel in Form eines klassischen Konzertes, ist für die Menschen wichtig - auch oder gerade im Urlaub

Bild: iStockPhoto / kreci

In den Kirchen, die für Menschen in Kur oder Urlaub wichtig sind, spielt die Kirchenmusik eine große Rolle. Kaum ein Gottesdienst wird gefeiert, ohne dass Musik erklingt.

Kirchenräume klingen – klingen ganz besonders. Wenn Gäste eine Kirche besichtigen, können sie vieles entdecken, sehen und fühlen. Wenn der Raum zu klingen beginnt – durch Gesang, durch Orgelmusik, durch ein anderes Instrument – dann kann man eine neue Dimension erleben. Der Raum schwingt und kann so die Seele zum Schwingen bringen.

In den Kirchen am Urlaubsort können Gäste und Besucher viele kirchenmusikalische Gottesdienste erleben und mitfeiern, beispielsweise Kantatengottesdienste, in denen durch viel Musik und die entsprechende Deutung die Botschaft Christi eine ganz andere Farbe bekommt. Das gesungene Wort trifft viel direkter ins Herz, als es manches Gesagte vermag. Die Musik gibt die Chance wirklich zu spüren, was „gerade dran ist“. In diesen Kirchen gibt es vermehrt Abendmusiken, Orgelkonzerte, Chormusiken, die von den Urlaubsgästen besonders geschätzt werden.

Liederschatz Bayern: die Liedpaten

"Lobe den Herrn"

Portrait Michael Lochner,© ELKB

Liedpate Michael Lochner: "Ich kenne das Lied von Kind auf, es wurde zuhause an allen Geburtstagen gesungen. Später spielte ich es ungezählte Male bei kirchlichen Trauungen, weil es als das bekannteste Lied galt, in das eine Hochzeitsgesellschaft hörbar einstimmen konnte. Dann fand ich es in der Kunstmusik, im Kantatenwerk Bachs und in anderen Bearbeitungen. Im Gemeindegottesdienst könnte es heute öfter vorkommen. Mit dem festlichen Dreiklang zu Beginn, dem Fanfarenmotiv bei „Kommet zuhauf“ und den Tonleitern dazwischen. Alles gut für ein leichtes, doch gespanntes Singen!"

"Vertraut den neuen Wegen"

Deneke-Stoll,© ELKB

Liedpatin Dr. Dorothea Deneke-Stoll: "Vertraut den neuen Wegen, das ist ein echtes Mutmachlied. Unser Leben hält immer wieder Veränderungen bereit- der Umzug in eine andere Stadt, ein beruflicher Wechsel, die Hochzeit mit dem Partner oder auch eine längst überfällige Trennung. Ausgetretene Pfade verlassen, Neues wagen, das fällt uns nicht immer leicht. Aber Leben heißt Unterwegs-Sein. Im Vertrauen auf Gottes Führung dürfen wir getrost den Aufbruch wagen.

Wie Gott Abraham aus Kanaan in das gelobte Land geschickt hat, so ermutigt er auch uns, uns aufzumachen dahin, wo er uns will und braucht. Der Text von Klaus-Peter Hertzsch ist 1989, also in der Zeit der Wende, in der DDR entstanden, die Melodie stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Schön, wie gut Tradition und Moderne zusammenpassen!"

"Nun danket alle Gott!"

Anne-Barbara Höfflin,© ELKB / Poep

Liedpatin, Anne-Barbara Höfflin: "Wenn ich ein Lied suche, das unwiderstehlich fröhlich macht, fällt mir gleich ein „Nun danket alle Gott“ - in meiner Vorstellung aus vollem Herzen musiziert von Posaunenchören und nach dem wunderbaren Satz von Johann Sebastian Bach (BWV 386). Was mich an dem Lied beeindruckt? Dass Martin Rinckart es mitten in Bedrohung, Elend und Tod des Dreissigjährigen Krieges schreiben konnte. Deswegen können wir es auch heute mit voller Überzeugung singen und musizieren, entweder aus Freude oder gerade trotz schwerer Lebenslagen."

"Geh aus, mein Herz, und suche Freud"

Andi Weiss,© Foto: Sergej Falk / www.andi-weiss.de

Liedpate Andi Weiss: "Da schallt und rauscht es, da schwingt es und jauchzt es! Die Schöpfung jubelt, die Natur erwacht und freut sich! Welches Herz kann da noch traurig sein? Welche Seele kann da noch „ruhn“, will sich nicht mit aufmachen, will mitsingen, weil alles singt? Die kraftvollen Bilder die Paul-Gerhardt wählt, in einer Zeit in der in seinem eigenen Leben eher Winter herrschte, läuten auch im eigenen Leben zwangsweise den Sommer ein.

Ich erinnere mich gerne an meine Zeit als junger Junge. Im Posaunenchor der Gemeinde haben wir mit diesem Lied das sommerliche Gemeindefest zum Beginn des Gottesdienstes angeblasen. Mehr schlecht als recht, aber mit vollem Herzen, trötete ich meine zweite Stimme mit. So weckt mich dieses Lied heute noch, schon bei den ersten beschwingten Tönen, aus so manchem Lebenswinterschlaf und bleibt für mich ein starkes Stück Kindheit, Zuhause und Heimat."

"Befiehl du deine Wege"

Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler,© ELKB / Poep / Heike Rost

Liedpatin Susanne Breit-Keßler: "Befiehl du deine Wege. Ich habe dieses Lied schon oft gesungen. Als ich meinen Vater und meine Mutter gehen lassen musste. Als ich voller Angst zu meinem Mann ins Krankenhaus gefahren bin - lauthals, unter Tränen, das Lenkrad unseres Autos fest in beiden Händen. Ich singe es, wenn ich wieder spüre, dass mit unserer, mit meiner Macht es eben nicht getan ist. Ich singe es, wenn ich neue Kraft brauche. Befiehl du deine Wege. Und dann kann ich wieder gehen... Und meinen Mann erneut lebendig in die Arme schließen."

Auch Angebote wie das Offene Singen, das beispielsweise in den Sommermonaten wöchentlich in Bad Reichenhall stattfindet, haben viele Fans. Hier werden in offener Runde unter Leitung des Kantors Altes und Neues, Vertrautes und Unbekanntes, Kanons und Volkslieder, Choräle und Spaßlieder gesungen. Darunter können auch Lieder aus dem „Liederschatz“ der Landeskirche sein. 22 beliebte Lieder und zwei Kanons sind in dem Liedheft versammelt; darunter sind bekannte Lieder wie „Komm, sag es allen weiter“, „Befiehl du deine Wege“, „Der Mond ist aufgegangen“ oder auch Weihnachtslieder wie „O du fröhliche“.

"Beim Singen erfahren wir eine andere Dimension, die Schwingungen bringen unseren ganzen Körper in Bewegung", erklärt der bayerische Kirchenmusikdirektor Friedrich Sauler. Der Kirchenmusiker, der viele Jahre als Dekanatskantor in Bad Tölz gearbeitet hat, weiß um die Kraft der Musik.

"Wir leben in einer Welt, in der sehr viel über das Auge wahrgenommen wird. Das Ohr kommt dabei oft zu kurz", findet er. Wer aber sein Gehör trainiere und seine Stimme nicht nur für das Sprechen, sondern auch zum Singen nutze, bekomme ein ganz anderes Gespür für sich selbst. "Außerdem ist ein singender Mensch immer auch ein fröhlicher Mensch", ist seine Erfahrung.

Termine


15.02.2016 / Roth / Harmsen