
Der Altar der Spitalkirche im Museum Kirche in Franken.
Bild: Museum Kirchen
Evangelische Museen in Bayern
Vom Bibelmuseum bis zum Kirchenmuseum
In Bayern gibt es mehrere evangelische Museen, die sich mit der Geschichte und Kultur des Protestantismus auseinandersetzen. Ein Überblick:
Museum Kirche in Franken | Bad Windsheim
Das Museum Kirche in Franken befindet sich in der Spitalkirche, die wiederum in das Fränkischen Freilandmuseum integriert ist. Die Spitalkirche zum Heiligen Geist, die 1318 gestiftet und zwischen 1416–1421 errichtet wurde, verbindet Kirche und Museum. Die Dauerausstellung widmet sich Kirche, Glaube und Frömmigkeit. Sie zeigt Werke der sakralen Volkskultur Frankens und erläutert Sinn und Zweck der Kirchenausstattung – wie Altar und Kanzel, Emporen und Orgel. Im Museum sind regelmäßig Sonderausstellungen zu sehen. Dazu gehört auch die Reihe "Kunst unterm Kirchendach", die zeitgenössische Kunst in den Dialog bringt mit historischen Ausstellungsstücken und dem mittelalterlichen Kirchenraum.
Bibel Museum Bayern | Nürnberg
Das Bibel Museum befindet sich am Lorenzer Platz in Nürnberg und bietet eine moderne und lebensnahe Ausstellung rund um die Bibel. Auf knapp 400 Quadratmetern wird die Entstehungsgeschichte der Bibel erläutert; hier kann man eine fast 1.000 Jahre alte Riesenbibel digital umblättern oder den Zusammenhang zwischen Bibel, Koran und Thora erkunden.
Highlight der Ausstellung ist die Gumbertusbibel. Mit Maßen von 67 mal 45 Zentimetern und dem Gewicht von 40 Kilogramm gehört sie zur Gattung der "Riesenbibeln". Die erste sogenannte Daumenbibel, die Wilkinbibel oder die Miniatur der Skulptur "Schwerter zu Pflugscharen" des ukrainischen Künstlers Jewgeni Wiktorowitsch Wutschetitsch sind ebenfalls zu sehen. Im Museum werden aber regelmäßig Sonderausstellungen gezeigt. Das Museum gehört zum Bibelzentrum Bayern, das sich für die Verbreitung und das Verständnis der Bibel als Kulturgut einsetzt.
Evangelisches Museum | Ortenburg
Das Evangelische Museum in Ortenburg wurde zum 450-jährigen Reformationsjubiläum im ehemaligen Kantorhaus eingerichtet. Es zeigt die Geschichte der evangelischen Enklave in Ortenburg, die 1563 durch Graf Joachim von Ortenburg eingeführt wurde. Der kleine evangelische Ort befand sich mitten in einer katholischen Region. Viele Protestanten aus Österreich flohen hierher, Obstgärten und alte Häuser zeugen heute noch von dem Zufluchtsort. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, kann nach dem Museumsbesuch den Reformationsweg von rund vier Kilometer Länge entlanglaufen und sich historische Orte wie das Schloss Ortenburg und die schöne Landschaft anschauen oder die regionale Küche genießen. Der Ort befindet sich übrigens auf der Strecke des internationalen Pilgerwegs Via Nova und der historischen Bibelschmugglerroute Weg des Buches. Das Museum bietet Führungen nach Vereinbarung an.
Diakoniemuseum | Rummelsberg
Auf dem Gelände der Diakonie Rummelsberg befindet sich das "Diakoniemuseum". In dem Gebäude aus dem Jahr 1927 wurden früher die jungen Erwachsenen als Bäcker, Metzger oder Bürstenbinder ausgebildet. In den 1930er Jahren wurde das Haus als Gästehaus genutzt. Heute befindet sich hier ein Museum - das auch auf die NS-Geschichte der Rummelsberger Diakonie eingeht. Im Museum werden regelmäßig Sonderausstellungen gezeigt - so etwa über die weltweite Diakoniearbeit oder zum Thema "Fremde beherbergen" - über den diakonischen Auftrag.
Museum Lutherstiege | Augsburg
Die evangelische Kirche St. Anna in Augsburg spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte der Reformation: Martin Luther wohnte hier während seiner Verhöre durch den päpstlichen Gesandten Cajetan. Warum geschah dies in Augsburg? Warum eroberte seine Lehre so schnell das Land und wie entwickelte sich die Reformation? Das Museum Lutherstiege zeigt die Entwicklungen der Reformationsgeschichte mit Schwerpunkt Augsburg. Der Rundgang führt durch historische Räume entlang an multimedial inszenierten Stationen und originalen Objekten.
Löhe-Zeit-Museum | Neuendettelsau
Der evangelische Theologe Wilhelm Löhe hat den fränkischen Ort Neuendettelsau mit der Gründung der Diakonie stark geprägt. Das Löhe-Zeit-Museum widmet sich unter anderem der fränkischen Auswanderung in die USA. Die Sammlung zu Wilhelm Löhe, die hier gezeigt wird, hat der Heimat- und Geschichtsverein Neuendettelsau und Umgebung e.V. zusammengetragen. So ist ein einzigartiges sozialgeschichtliches Museum entstanden, das eindrucksvoll das Leben Löhes und der Menschen um 1850 zeigt und auch auf die weniger prunkvolle Seiten eingeht. Auf einer kleinen Fläche werden auch Sonderausstellungen gezeigt, so etwa über den Alltag im Nationalsozialismus.
Lernort Sozialdorf | Herzogsägmühle
Im Dorf Herzogsägmühle im Pfaffenwinkel in Oberbayern stehen eine Kirche, ein Maibaum, ein Wirtshaus und ein Supermarkt. Was das Sozialdorf aber ausmacht, ist seine langjährige Geschichte als Ort der Integration. Der Lernort Sozialdorf geht auf die Geschichte ein - und spart auch nicht den Nationalsozialismus aus. Denn von 1934 bis 1945 wurde das Dorf Teil des Zwangsfürsorgesystems im Nationalsozialismus. Der damalige "Verein für Arbeiterkolonien in Bayern" wurde in den "Landesverband für Wanderer- und Heimatdienste" integriert, dessen Ziel "die Selektion der Hilfebedürftigen nach einer sozialrassistischen Auslese" gewesen sei, so die Diakonie. In dieser Zeit war Herzogsägmühle "zu einer tödlichen Gefahrenzone für alle, die dort Hilfe suchten". Mindestens 430 Jugendliche und Männer wurden in Folge der Einweisung nach Herzogsägmühle ermordet.
Ausstellung "EinBlick" von Mission Eine Welt
Die Dauerausstellung "einblick" in Neuendettelsau informiert über die weltweite Arbeit der Einrichtung Mission EineWelt - in Papua-Neuguinea, Brasilien, Tansania oder China. Der Rundgang führt vorbei an Fotos, Kunst- und Ausstellungsgegenständen. Einzelne Bereiche geben Einblick in den Lebens- und Arbeitsalltag der Menschen. Zum Ausstellungsbereich gehört auch ein Weltladen, in dem fair gehandelte Produkte gekauft werden können.
Klostermuseum | Heidenheim
Welchen Einfluss hatten Klöster auf die Entwicklung des frühmittelalterlichen Europas? Dieser Frage wird im Klostermuseum in Heidenheim, einem der bedeutendsten Klöster Frankens, nachgegangen. Die kleine Ausstellung widmet sich der Klostergeschichte und Christianisierung, weitere Räume sind den Klostergründern und Eichstätter Diözesanheiligen Wunibald, Willibald und Walburga gewidmet und zeigen Originalobjekte, die zum Heidenheimer "Kirchenschatz" gehören. Herzstück der kleinen Ausstellung ist eine Vitrine, die auf Augenbewegung reagiert und dem Besucher auf innovative Weise detaillierte Informationen zu den ausgestellten Exponaten ermöglicht.
Weitere Museen und Einrichtungen
Zusätzlich gibt es noch weitere Einrichtungen, die sich mit evangelischer Kultur und Geschichte in Bayern befassen, wie etwa das Stadtmuseum im Fembo-Haus in Nürnberg, das die leihbare Wanderausstellung zur "Evangelischen Migrationsgeschichte(n)" zeigte.
Arbeitsgemeinschaft "Museen im evangelischen Raum"
In der Arbeitsgemeinschaft "Museen im evangelischen Raum" haben sich verschiedene Partner zusammengeschlossen. Sie erarbeiten gemeinsam Ausstellungen. Und sie stehen im Austausch zu Themen rund um Vermittlung und Präsentation.
21.08.2025
Rieke C. Harmsen