Motorradgottesdienste

Biken mit Seele

Motoradgottesdienst

Gemeinsam die Kurve kriegen - so heißt es in der Einladung der Gruppe Kirche und Krad.

Bild: ELKB

Die Zahl der Motorradgottesdienste nimmt in ganz Deutschland zu. In Bayern erfreuen sich Angebote wie das Motorrad-Pilgern, „Spirit-Touren“ oder „Bike & Seele“ großer Beliebtheit.

Motorradfahren ist eine Leidenschaft. Sie weckt Gefühle, lässt Sonne, Wind und Regen hautnah spüren und vermittelt geradezu sinnliche Erfahrungen beim Tanz durch die Kurven. Wer den Helm aufsetzt und den Motor seiner Maschine startet, lässt die Mühe des Alltags hinter sich. Ein Hauch von Himmel weht einem beim Fahren plötzlich um die Nase und befreit Geist, Herz und Seele.

Zahlreiche Menschen jeden Alters begeistern sich fürs Motorradfahren. Sie versammeln sich gern mit Gleichgesinnten zu Ausfahrten. Auch der Zulauf zu den Christlichen Motorradfahrern wird durch die Sehnsucht nach Gemeinschaft angekurbelt. Das gemeinsame »Anfahren« im Frühjahr ist ein beliebter Event geworden. »Wir wollen gemeinsam die Kurve kriegen«, heißt es in der Einladung der Gruppe »Kirche und Krad« im Coburger Land.

Zitat

Die Seele nährt sich von dem, woran sie sich freut.

Augustin

Viele Motorradfahrer und Mitfahrer treffen sich jährlich bei den großen Motorradgottesdiensten in Roth, Bamberg, Kempten, Nürnberg und Fürstenfeldbruck. In kleineren Gruppen werden Motorradfreizeiten und Seminare „gefahren“. Neue spirituelle Angebote wie das Motorrad-Pilgern oder „Bike & Seele“ haben in den zurückliegenden Jahren zahlreiche Fans hinzugewonnen.

Für die Christlichen Motorradfahrer in Bayern ist die Arbeitsgemeinschaft »Motorrad und Kirche« eine wichtige Anlaufstelle. Sie unterstützt die Arbeit vor Ort in Gemeinden und Einrichtungen und organisiert Gottesdienste und Veranstaltungen.

Pfarrer Frank Möwes aus Mainburg, einer der drei Sprecher der Arbeitsgemeinschaft, organisiert seit zwei Jahren so genannte Spirit-Touren in seiner Heimat, der Hallertau. Die „Spirit-Touren“ haben in der Regel eine besondere Kirche oder Klosteranlage als Ziel. „Dort bekommen wir auch immer eine Führung, und natürlich darf dann eine Einkehr in einem schönen Biergarten nicht fehlen“, erläutert Pfarrer Frank Möwes.

Der evangelische Pfarrer Frank Witzel ist Gemeindepfarrer im Kleinwalsertal und fördert dort die Begegnung von Motorradfahrern. „Als Motorradfahrer spürt man die Unmittelbarkeit und Kraft des Lebens. Ich nehme die Landschaft, die Gerüche und den Wind viel intensiver wahr. Es ist eine Auszeit vom Alltag.“

Pfarrer Manfred Hohnhaus sitzt seit 41 Jahren im (Motorrad)-Sattel: „Viele Motorradfahrer suchen das unmittelbare Erlebnis. Es macht ihnen Spaß, den Regen zu spüren oder zu sehen, wie die Blumen blühen. Wenn ich den Helm aufsetze, komme ich fast in eine meditative Phase. Da kommen mir neue Gedanken, da lass ich mich treiben, ich muss keinen Termin einhalten, kein Ziel erreichen. Ich fahre manchmal einfach nur der Sonne nach – das erweitert den Horizont.“


24.02.2016 / Heinz Brockert/Andrea Seidel