Radwegekirchen

Neue Ziele für Fahrradtouren

Mutter auf Fahrrad mit Kind und Hund

Fahrradfahren ist das neue Pilgern - unterwegs zu den vielen schönen Radwegekirchen in Bayern.

Bild: iStockPhoto / Arand

Ursprünglich vollzog sich das Pilgern zu Fuß. Jetzt auch mit dem Fahrrad? Auf jeden Fall stellt das Fahrrad ein Verkehrsmittel der Entschleunigung und unmittelbaren Wahrnehmung der Umgebung dar.

Kirchenrat Thomas Roßmerkel, Experte für Tourismus-Seelsorge im Landeskirchenamt, weiß, dass immer mehr Radurlauber auf Bayerns Radwegen unterwegs sind. Er zitiert eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums aus dem Jahr 2009, der zufolge der durchschnittliche Radurlauber 47,2 Jahre alt ist. Die größte Gruppe unter den Radurlaubern sind Trekkingradfahrer, die als Genussradler reliefarme, kulturell interessante Landschaften mit geringen Steigungen bevorzugen und am Tag eine Strecke von 40 bis 60 Kilometer zurücklegen.

„Wir wissen, dass 28 Prozent aller Radurlauber Kunst und Kultur erleben wollen und auch ein Bedürfnis haben nach geistlichen Stationen“, sagt Roßmerkel. Darauf wolle man mit der bundesweiten Aktion „Radwegekirchen“ reagieren. Menschen seien gerade im Urlaub besonders empfänglich für geistliche Impulse, so Roßmerkels Erfahrung in der Tourismusseelsorge. „Durch die entschleunigte naturnahe Fortbewegungsform beim Radfahren entsteht eine andere Erwartungshaltung als im Alltag“ sagt Roßmerkel.

 

Mehr zum Thema

Die Idee der Radwegekirchen stammt aus Mitteldeutschland und wurde von der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) aufgegriffen. Sie schließt mit den Landeskirchen Verträge über die Nutzung des einheitlichen Logos für die Radwegekirchen.

Wie wird eine Kirche eine Radwegekirche? Drei Kriterien müssen erfüllt sein: Die Kirche muss in der Nähe eines Radwanderweges liegen, tagsüber frei zugänglich sein und zur Stille und Besinnung einladen. Viele Gemeinden bieten darüber hinaus Gelegenheit zur geistlichen Begleitung und Seelsorge, veranstalten Kirchenführungen und bieten Bänke und Tische für eine Rast an. Allein in Bayern gibt es schon 53 Radwegekirchen.

Der Simultankirchenradweg im Dekanat Weiden

Die Einweihung des Simultankirchen-Radweges am Freitag, 8. Mai 2015, in Sulzbach-Rosenberg und Illschwang brachte rund 200 Menschen aus der gesamten Oberpfalz in Bewegung. Der Simultankirchen-Radweg verbindet 49 Gotteshäuser in der mittleren und nördlichen Oberpfalz, die zum Teil bis heute von evangelischen und katholischen Christen gemeinsam genutzt werden. Dieses kulturelle Erbe ist bayernweit einzigartig. Unter dem Motto „Erleben. Erfahren. Entdecken. - Wie Kirche bewegt!“ verbindet der neue Simultankirchen-Radweg Kultur, Sport und Spiritualität miteinander.

„Der Simultankirchen-Radweg will viele Menschen in Bewegung bringen. Und wir brauchen Bewegung – auch in unserer Kirche, damit sie auf die Herausforderungen unserer Zeit antworten kann“, stellte Landesbischof Heinrich Bedford.-Strohm bei der Eröffnung fest. Das sportliche Kirchenoberhaupt schwang sich in den Sattel und radelte, gefolgt von zahlreichen Festgästen, die rund 10 km nach Illschwang. Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler aus Rothenstadt setzt große Hoffnungen in den kirchenverbindenden Radweg: „Ich träume davon, dass der Radweg viele Menschen zusammenführt, die in ihrer Freizeit Bewegung und Spiritualität suchen. Ich wünsche mir, dass die Gemeinden ihre Kirchen gerne öffnen, damit Menschen hier zur Ruhe kommen in unserer rastlosen Zeit. Auch in 50 Jahren sollen diese Gotteshäuser noch Schmuckstücke ihres Ortes sein und Zeichen für einen lebendigen Glauben.“


25.02.2016 / ELKB/Pressestelle