Bayerns schönste Kirchen

Die Heilig Geist-Kirche in Dinkelsbühl

Heilig-Geist-Kirche in Dinkelsbühl

Die Heilig-Geist-Kirche in Dinkelsbühl

Bild: Heilig Geist-Kirche in Dinkelsbühl

Einst diente die "Heilig-Geist-Kirche" in Dinkelsbühl besonders kranken Menschen als Zufluchtsort - dabei wäre sie selbst vor einigen Jahren zum Pflegefall geworden.

Ihr breiter Bau mit den senffarbenen Mauern, den quadratisch und halbrund geformten Fenstern und dem Dach aus hellroten Ziegeln, erinnert eher an ein Hospital. Was nicht von ungefähr kommt: Das ungewöhnliche, gegen 1280 an der Martin-Luther-Straße erbaute Gotteshaus, das sich nur durch einen schlanken Glockenturm als Kirche outet, sollte Kranken im angrenzenden Spital Streicheleinheiten für die Seele geben: Halt durch Gebete, Trost durch Gottesdienste. Dabei wäre "Heilig Geist" vor einiger Zeit fast selbst zum Pflegefall geworden.

Heute vielleicht noch mehr als damals lädt "Heilig Geist" zum Durchatmen ein - und zum Staunen. Das schwanenhafte Weiß der Wände und Decke gibt dem Innenraum Reinheit, porzellanzarte Feinheit, ein Gefühl von Zerbrechlichkeit liegt in der Luft. Emporen, Predigtkanzel und Orgel über dem Altar markieren die typischen Komponenten für ein evangelisches Gotteshaus. Kanzel, Orgel und Heiligengemälde an den Wänden verzieren den Raum golden verschnörkelt, zugleich mit vornehm verhaltenem Prunk.

Die Illusion einer weiteren Empore an der Decke

Denn das eigentliche, konkurrenzlose Highlight der „Heilig-Geist-Kirche“ ist ihr betörendes Deckengemälde. „Das Deckenfresko im Langhaus, kunsthistorisch und für süddeutsche evangelische Kirchen eine Rarität, wurde im September und Oktober 1774 von Johann Nepomuk Nieberlein (1729-1805) aus Ellwangen ausgeführt“, informiert der Kunstführer Nr. 667 des „Deutschen Kunstverlages“ in München. Wer unten, mitten in der „Heilig Geist-Kirche“ auf den hellen Steinfliesen steht und seinen Kopf bereitwillig in den Nacken legt, kommt aus dem Gucken nicht mehr heraus.

Engel, Wolken, Tauben, Menschen, Säulen, Bäume vor einem gigantischen Himmelszelt geben der Decke Räumlichkeit, Körperlichkeit, dreidimensionale Tiefe. Nieberleins „Hauptwerk verbindet das Rokoko und dessen Gegenstil, den Klassizismus“, verrät der Kunstführer: „Das christologische Predigtfresko ,Erlösung‘ erzählt in bühnenartiger Manier von der Errettung der Gläubigen durch Opfertod und Auferstehung Christi. Nieberlein fertigte gleichsam vier Altarbilder mit gemeinsamen Himmel an, der sein natürliches Aussehen in jeder Bildszene ändert.

Das Gemälde“, so geben es die Kunstführer-Experten wieder, „umrahmt ein Rechteck, in dessen kreisförmig einspringenden Ecken eine Balkon-Architektur die Illusion einer weiteren Empore erzeugt.“ Die kunstvolle Ästhetik dieser Höhentäuschung kann den Betrachter fast schwindelig machen – dabei war ihre Schönheit noch vor kurzem gefährdet, wurde die einst für Pflegebedürftige errichtete „Heilig Geist Kirche“ vor fünf Jahren selbst zum Pflegefall.

Deutsche Stiftung Denkmalschutz hilft bei Sanierung

„2006 waren Risse im Deckengemälde bemerkt worden“, berichtet da das Magazin „Monumente“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in seiner Januar-Ausgabe des Jahres 2010. Auf der Suche nach der Ursache habe man festgestellt, „dass bei der Konstruktion des Gewölbes 1775 Fehler gemacht worden waren“, so das „Monumente“-Magazin. „Daher hatte es sich nach und nach gesenkt und die Wände des Kirchenschiff damit mehrere Zentimeter aus dem Lot geschoben.“ Das gesamte Dachtragwerk habe daraufhin saniert werden müssen, eine Aufgabe, die die Hospitalstiftung Dinkelsbühl und die evangelische Kirchengemeinde nicht alleine hätten schultern können, so das Magazin „Monumente“:

„Dass sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit 350 000 Euro an den Arbeiten beteiligte, ist der Lotterie Glücksspirale und vielen Monumente-Lesern zu verdanken“, so die Redaktion; ihre Leser seien einem in Ausgabe "Januar/Februar 2009" veröffentlichten Aufruf gefolgt, dem „Denkmal in Not“ zu helfen. Fördermittel aus dem Entschädigungsfonds zur Erhaltung und Sicherung von bayerischen Baudenkmalen, dem Denkmalschutzsonderprogramm des Bundes, der Bayerischen Landesstiftung und des Landkreises Ansbach hätten die Hilfe abgerundet.

Und so konnten die Dinkelsbühler das Gotteshaus an der Martin-Luther-Straße am 17. Oktober 2010 wieder betreten – für ein Gespräch mit Gott unter geheiltem Himmelreich.

 


26.08.2014 / Almut Steinecke