Bayerns schönste Kirchen

Die St. Jakob-Kirche in Oettingen

St. Jakob-Kirche in Oettingen

Die St. Jakob-Kirche in Oettingen

Bild: St. Jakob-Kirche in Oettingen

Die St. Jakob-Kirche in Oettingen im Kirchenkreis Augsburg ist eine der elegantesten Barock-Kirchen Bayerns, die dem Apostel Jakobus geweiht ist.

Der Innenraum der Oettinger St. Jakob-Kirche kann sich wirklich sehen lassen: Der ausladende, in cremigem Naturweiß getünchte Innenraum ist mit detailfeinem Stuck aus der Zeit von 1680 ausgearbeitet und lässt in der Vorstellung das Rascheln von Reifröcken aus der Vergangenheit nachklingen. „Der Stuckator Mathias Schmuzer d.J. (1636-86) aus Wessobrunn, der gleichzeitig im Festsaal im neuen Saalbau im Unteren Schloss arbeitete, gliederte 1680/81 die riesige Deckenfläche durch kräftige Blattrahmen und Fruchtgehänge“, informiert der Kirchenführer des Dekanates Oettingen.

Szenen aus der Weihnachtsgeschichte, aus der Passionsgeschichte

Die Decke glänzt mit verschiedenen Bildern, die der Augsburger Maler Johann Georg Knappich (1637-1704) geschaffen hat. 1904 seien die Fresken vom Münchner Kirchenmaler Vogt überarbeitet worden, so der Dekanatsführer. „Die drei Bilder an der Südseite zeigen Szenen aus der Weihnachtsgeschichte: die Ankündigung der Geburt Jesu durch den Erzengel Gabriel, die Anbetung des Christkindes durch die Hirten, die Namensgebung bzw. die Beschneidung des Jesuskindes (erzählt im Lukasevangelium 2,21 ff).“

Dann, so der Oettinger Kirchenführer weiter, folge im Westen die Verklärung Christi (Lk 9,28-36). „Auf der dunkleren Nordseite finden wir drei Szenen aus der Passionsgeschichte“, erläutern die Autoren. „Sie beginnen an der Nordwestecke bei der Orgel: Jesus im Garten Gethsemane, die Kreuzigung und die Grablegung. Der chronologischen Reihenfolge nach finden wir im Osten die Darstellung der Auferstehung und als zentrales Bild am Scheitel des Gewölbes die Himmelfahrt bzw. den Triumph Christi im Himmel.“

St. Jakob im Wechselbad der Reformation

Die Jakobskirche als Hofkirche der Grafen von Oettingen sei im 16. Jahrhundert eng mit der wechselvollen Geschichte der Reformation verbunden. So habe etwa Graf Ludwig im Jahre 1539 einen Schüler Martin Luthers – Georg Karg aus Heroldingen – zu seinem Superintendenten ernannt; Karg habe die Reformation gemäß der Augsburgischen Konfession durchgeführt. „Wenige Jahre später“, weiß der Oettinger Kirchenführer, „wurde diese wieder rückgängig gemacht.“ Die evangelischen Oettinger Grafen mussten nach der Niederlage des Bundes 1547 ihr Land verlassen. St. Jakob wurde zunächst wieder katholisch.

Mitte des 16. Jahrhunderts jedoch habe die Reformation von neuem begonnen. „Ab 1558 wurden u.a. Mönche aus Christgarten und anderen Klöstern in der Grafschaft als evangelische Pfarrer berufen“ – St. Jakob wurde wieder eine protestantische Predigtstätte.

Aufwändig gestalteter Taufstein

Gleichsam steht sie für alle Menschen aller Konfessionen offen, die eine Menge zu gucken haben, nicht nur was die üppige Deckenmalerei der Renaissance angeht. Sehenswert ist auch der aufwändig gestaltete Taufstein mit Blick fürs Detail des Oettinger Bildhauers Konrad Thier (geboren 1708, das Datum seines Todes ist nicht übermittelt).

Der Taufstein besteht aus einem knienden Adam, der einen Apfel in der Hand hält und eine riesige Muschel als Taufbecken auf seinem Kopf trägt. Die Darstellung zeigt Jesus im Wasser, der von Johannes getauft wird. Bei Taufhandlungen wird die Jesusfigur entnommen und der Täufling an dieser Stelle getauft. Der Taufstein steht genau in der Mitte vor dem Altar in der Kirche, die ihre Sitzbänke aus dunklem Holz längs und quer zur Schiffspitze angeordnet hat und ist in dieser Form einzigartig.

Mehr Herzlichkeit kann eine Einladung nicht versprechen

Die Menschen, so befindet es das evangelische Dekanat Oettingen auf seiner Website, fühlten sich wohl in St. Jakob, denn diese Kirche sei „für die Besucher gebaut. Sie erwartet sie nicht nur als Gäste, sondern auch als ,Zugehörige‘“. Mehr Herzlichkeit kann eine Einladung eigentlich nicht versprechen, und die Besucher von St. Jakob geben diese Herzlichkeit zurück, freut sich das Dekanat: „,Diese wunderschöne Kirche – das hat gut getan‘: diesen Eintrag in unser Gästebuch lesen wir immer wieder!“


26.08.2014 / Almut Steinecke